Ich schob den Laptop beiseite, schwang die Beine von der Couch und stand auf.
"Bess..."
Bei dem Flüstern zuckte ich erschrocken zusammen, und eine plötzliche Furcht schien das ganze Zimmer zu erfüllen. [...] Mir war, als würde sich bei dem Flüstern die Luft im Raum vor Kummer, Trauer und Angst förmlich verdichten. Ich hasste diesen Namen.
"Lass das", sagte ich laut, und vermied es, darüber nachzudenken, ob ich zu mir selbst sprach oder zu dem Zimmer.
Oder zu Hawise.
Unfähig mich zu rühren, starrte ich in den matten Spiegel über dem Kaminsims. Mein Gesicht war aschfahl und angespannt, meine Miene wie erstarrt.
"Ich bilde es mir ein", sagte ich laut. "Es passier nicht wirklich."
"Bess..." Erneut dieses Flüstern, doch schwächer jetzt. Ich holte zitternd Luft. Ich bildete mir das alles nur ein. Solange ich dies nicht vergas, war alles in Ordnung.
Aber als ich mich umdrehte, um meinen Laptop an mich zu nehmen, lag halb verborgen unter einem Kissen ein fauliger Apfel. Seine Haut wirkte bräunlich verfärbt und began bereits zu schimmeln. Ich schaute diesen Apfel lange Zeit an, sträubte mich, ihne in die Hand zu nehmen. Mir war bewusst, wie kindisch ich mich benahm. Vom Verstand her wusste ich, es konnte nicht der Apfel sein, den ich vermeintlich vergangene Nacht weggeworfen hatte, denn Letzterer war lediglich ein Produkt meiner Fantasie gewesen."
Langsam beginnt Grace, an ihrem Verstand zu zweifeln. Es kann nicht am Jetlag und den vielen Reisen liegen, dass sie ständig diese Illusinen aus der Sicht eines jungen Mädchens hat, das Hawise heißt. Es ist fast, als reise Grace in der Zeit viereinhalb Jahrhunderte zurück in den Geist von der Dienstbotin Hawise. Grace hat keine Kontrolle über die Illusionen. Es ist, als dränge sich das andere Mädchen von damals immer wieder in ihren Geist um ihr etwas zu zeigen. So erfährt Grace, was für grausame Dinge der jungen Hawise Ake damals widerfahren sind und was diese alles erleiden musste. Aber weswegen kann sie diese Dinge sehen, sogar fühlen? Wieso greift Hawise ständige auf den Geist von Grace zu? Und wieso hört Grace ständig dieses seltsame Flüster? Ohne es zu ahnen, bringt Grace dadurch ihr eigenes Leben in Gefahr. Kann sie sich retten oder wird ihr Leben so enden wie das von Hawise?
Meine Meinung zu dem Buch:
In erster Linie kann ich diesen Roman nur loben. Er ist sehr spannend, stellenweise etwas unheimlich und erzeugte bei mir einige Male Gänsehaut. Die beiden Hauptfiguren, Grace (aus unserem Jahrhundert) und Hawise (das Mädchen aus der Vergangenheit) werden wunderbar dargestellt. Dem Leser fällt es sehr leicht, sich ein Bild von beiden zu machen und bekommt einen sehr präzisen Einblick in die Gedanken und in den Charakter der Mädchen. Das Buch beinhaltet zudem historisch interessante Fakten, indem anhand von Hawise offengelegt wird, wie die Menschen damals lebten und wie es gesellschaftlich lief (die Autorin ist übrigens Historikerin). In der Geschichte merkt man sehr gut, wie Grace die Geschichte von Hawise am eigenen Leib nacherlebt.
Was ich an "Das ferne Echo der Zeit" bemängeln muss, ist die Art der Zeitsprünge zwischen Grace und Hawise. Es gibt keine eindeutigen Sprünge, keine neuen Kapitel wenn sich Grace wieder in der Geschichte von Hawise verliert. Das war für mich persönlich oft sehr verwirrend und hat mich kurz rausgebracht bis ich begriffen hatte, in welcher Zeit ich mich beim Lesen wieder befinde. Ich hoffe ihr versteht, wie ich das meine. Natürlich sorgt diese Art für viel Abwechslung und Überraschung, Spannung und unerwartete Wendungen. Das befürworte ich absolut! Trotzdem hat es mich beim Lesen sehr häufig gebremst. Bis auf diesen Punkt finde ich das Buch jedoch sehr gut! Wie schon erwähnt ist es sehr Spannend und aufregend! Es wird nie kitschig und die Handlungen sind quasi nicht vorhersehbar, was den Roman gleich viel verlockender macht. Der Roman handelt auf vielen emotionalen Ebenen, ermöglicht es, sich in die Charaktere einzufühlen und lässt den Leser an einigen Stellen doch angespannt dasitzen. Doch zum Ausgleich gibt es hinterher immer Stellen, die einem eine kurze "Atempause" ermöglichen. Ich werde dieses Buch auf jeden Fall wieder lesen.
Samstag, 7. Januar 2017
Montag, 21. November 2016
"Engel in der Stadt" von Francesca Lia Block
"Dann wollte ich ins Wasser gehen. Ich wollte es so dringend, dass
mein Mund brannte, als hätte ich Salz gegessen, und meine Haut prickelte
und ich stand auf und lief zum Wasser hinunter. Ich wollte mich den
Wellen überlassen und finden, was der Junge sah. Ich wusste, dass es
besser war als ich, als mein Leben. Es war etwas Tiefes und Weites und
Linderndes und Dunkles und Helles. Es war ohne Schmerz. Es war, als
fiele ich in den wogenden, glänzenden Schwarm von Wellen, würde eine von
ihnen, würde nichts und alles zugleich. Ich war eine Meerjungfrau. Ich
hatte grünes Haar.Ich konnte tiefer tauchen und weiter.
Aber ich hatte zu viel Bier getrunken. Das Wasser war entsetzlich kalt. Und die Wellen waren stärker, als sie aussahen. Ich wusste sofort, dass es zu viel war. Ein Teil von mir reckte sich nach oben wie eine Hand und versuchte Luft zu schnappen, ein anderer Teil sank hinunter wie eine Faust, tauchte tief und tiefer hinab, wurde überspült vom Ozean, der in mich eindrang - ein Liebhaber, in meine Lunge und in mein Herz, und ich war nicht mehr die Tochter eines sterbenden Mannes und eines Engels, der ihn nicht retten konnte, sondern die Tochter des Wassers."
Meine Meinung zu dem Buch:
Ich weiß nicht, ob ich das Buch hier gut darstellen konnte. Es scheint mir oft unbeschreiblich zu sein. Ich muss außerdem zugeben, dass ich das Buch ungelogen schon über 100 Mal gelesen habe. Vor ungefähr 7 Jahren habe ich es gekauft und damals noch garnicht verstanden. Aber als ich älter wurde und das Buch verstehen konnte, verschlang ich es wieder und wieder. Es ist auf so poetische Weise geschrieben. Dieses Buch ist etwas besonderes. Keine heile Welt. Keine typischen Geschichten. Es ist etwas ganz anderes, wie ich es noch nie gelesen habe. Ja, es geht teilweise um Engel. Aber nur minimal. Das Buch konzentriert sich auf Echo. Auf ihr Leben, ihre Tiefen und Probleme, auf ihre teilweise sehr faszinierenden und poetischen Gedanken. Dieses Buch ist wirklich ganz besonders! Mein absoluter Favorit!
Aber ich hatte zu viel Bier getrunken. Das Wasser war entsetzlich kalt. Und die Wellen waren stärker, als sie aussahen. Ich wusste sofort, dass es zu viel war. Ein Teil von mir reckte sich nach oben wie eine Hand und versuchte Luft zu schnappen, ein anderer Teil sank hinunter wie eine Faust, tauchte tief und tiefer hinab, wurde überspült vom Ozean, der in mich eindrang - ein Liebhaber, in meine Lunge und in mein Herz, und ich war nicht mehr die Tochter eines sterbenden Mannes und eines Engels, der ihn nicht retten konnte, sondern die Tochter des Wassers."
Los Angeles, die Stadt der Engel. Die unscheinbare Echo steht seit ihrer
Geburt im Schatten ihrer engelsgleichen Mutter. Ihr Vater betet Echos
Mutter an, hat sie zu seiner Religion gemacht. Echo fühlt sich von der
ganzen Welt nicht wahrgenommen. Alles dreht sich nur um ihre Mutter.
Diese kann perfekt kochen, fast schon göttlich. In ihrem Garten wachsen
Blumen, wie sie es nirgends tun. Echos Mutter ist die Perfektion, eine
unbeschreibliche Schönheit mit scheinbar göttlichen, heilenden Kräften.
Doch als Echo die Kräfte ihrer Mutter am meisten benötigt, kann diese
nichts tun. Echos Vater erkrankt an Krebs und seine Tochter kann ihrer
Mutter nicht die nötige Krfat geben, um ihn zu heilen. Verzweifelt
stürzt sich Echo in das Glitzerleben Hollywoods. Sie trinkt zu viel,
isst zu wenig, tanzt vor anderen Männern und sieht Visionen. Sie lässt
sich treiben, treibt von Ort zu Ort, von Mensch zu Mensch. Doch mitten
in alldem begegnet sie nach einem Versuch, sich ins Meer zu stürzen um
eine Meerjungfrau zu werden, einem jungen Mann. Er hat sie gerettet. Sie
weiß sofort, dass sie ihn liebt. Aber er spricht und berührte sie nie.
Als sie herausfindet, wieso er dies nie tut,verlässt sie die Stadt und
flüchtete nach New York, um dort anderen Dämonen unter den Menschen zu
begegnen. Ein ständiges Gewirr von Drogen, Menschen, Liebe, Tod, Gewalt
und Lust. Doch Echo weiß, dass sie niemanden jemals so lieben kann, wie
ihr Vater ihre Mutter geliebt hat. Außer der schweigsame Junge am
Strand.
Meine Meinung zu dem Buch:
Ich weiß nicht, ob ich das Buch hier gut darstellen konnte. Es scheint mir oft unbeschreiblich zu sein. Ich muss außerdem zugeben, dass ich das Buch ungelogen schon über 100 Mal gelesen habe. Vor ungefähr 7 Jahren habe ich es gekauft und damals noch garnicht verstanden. Aber als ich älter wurde und das Buch verstehen konnte, verschlang ich es wieder und wieder. Es ist auf so poetische Weise geschrieben. Dieses Buch ist etwas besonderes. Keine heile Welt. Keine typischen Geschichten. Es ist etwas ganz anderes, wie ich es noch nie gelesen habe. Ja, es geht teilweise um Engel. Aber nur minimal. Das Buch konzentriert sich auf Echo. Auf ihr Leben, ihre Tiefen und Probleme, auf ihre teilweise sehr faszinierenden und poetischen Gedanken. Dieses Buch ist wirklich ganz besonders! Mein absoluter Favorit!
Freitag, 18. November 2016
"Rosenpsychosen" von Anna-Maria Prinz
Am
Morgen betrat Pasi als Erste die Küche. Marie lag auf dem Fußboden und
starrte an die Decke. Neben ihr standen eine leere und eine halb volle
Flasche Pinot Grigio, ein Riedel-Burgunderglas und eine leere
Kaffeetasse. Pasi machte auf dem Absatz kehrt und lief zu Martin ins
Schlafzimmer, der gerade zum zweiten Mal dem Weckerpiepen ein Ende
setzte. "Mama liegt auf dem Fußboden in der Küche und guckt an die Decke. Sie hört Mozart."
"Oje. Requiem?"
"Glaub, ja."
"Okay, ich komme."
Martin schlurfte in die Küche, machte die Musik aus, räumte den Fußboden auf und setzte sich neben Marie. "Kann ich etwas für dich tun, die vielleicht ins Bett helfen?" Sie antwortete nicht. "Hör mal, Schatz, die Kinder wollen jetzt hier frühstücken. Ich fahre gleich mit ihnen los, aber vorher müssen sie etwas essen. Die Gewürze sind prima sortiert. Du kannst jetzt schlafen. Komm."
Wenn sich zwei Frauen mittleren Alters begegnen, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten, geht man nicht davon aus, dass sie miteinander auskommen. So ist es auch, als Marie und Helene aufeinandertreffen.
Marie musst seit einiger Zeit ohne ihr Vermögen leben, denn ihr Mann Martin (mit dem sie lediglich eine Zweckehe führt) ist bankrott. Von nun an keine Cocktails für 20€ mehr, kein Chanel N°5 und keine teure Kleidung mehr. Auf Grund ihrer Depressionen und Todessehnsüchte kann Marie am Abend nicht ohne mindestens eine Flasche Wein einschlafen und Bücher liest sie stets von hinten nach vorne.
Helene hingegen ist Therapeutin, rasiert sich nie, trinkt nur Tee und ist rein optisch vollkommen anders als Marie. Sie schminkt sich nicht, trägt keine figurbetonten Kleider und keine Schuhe mit Absatz. Helen führt ein eher langweiliges Leben mit ihren beiden Söhnen. Eines Tages entschließt sich Maries Mann, dass seine Frau endlich in Therapie gehen soll. So begegnen sich die beiden Frauen schließlich. Helene bemüht sich zunächst vergebens darum, an Marie heranzukommen, doch diese ist stets nur patzig und lenkt vom Thema ab. Doch langsam, von Sitzung zu Sitzung öffnet sich Marie. Aber auch Helene beginnt, sich gegenüber Marie zu öffnen und die beiden merken, dass sie doch einiges gemeinsam haben. Zum Beispiel einen Ex-Mann, der unter dem Ödipuskomplex leidet und stets ein Kuscheltier im Bett hatte. Zwischen chaotischen Alltagserlebnissen der beiden und unerwarteten Ereignissen entwickeln sich die beiden in die jeweils andere Richtung. Eine Freundschaft der anderen Art entsteht.
Meine Meinung zu dem Buch:
Als ich das Buch zum ersten Mal las, fand ich es recht seltsam und gewöhnungsbedürftig. Ich möchte behaupten, dass es zu 40% aus innerem Monolog, zu 40% aus Dialog und zu 20% aus Geschehnissbericht besteht. Doch wenn man erst einmal in die Geschichte hineingekommen ist, findet man Interesse daran. Maries stets etwas pubertierendes, oft kindliches Verhalten gegenüber allen ist äußerst interessant. Es ist etwas, dass ich noch nie gelesen habe. Ihre Art scheint besonders zu sein. Manchmal besonders nervig. Ich finde auch den ständig Wechsel zwischen der ruhigen und vernünftigen Helene und der aufbrausenden Marie sehr unterhaltsam. Es ist einem möglich, im Wechsel in die Köpfe der beiden hineinschauen zu können. Ihre Gedanken sind entweder verwirrend, fast dämlich, oder ziemlich intelligent. Das Buch ist wirklich gewöhnungsbedürftig und nicht für jeden geeignet. Es bedarf eine gewisse Anstrengung während des lesens und manchmal muss man Sätze zweimal lesen, um sie zu verstehen. "Rosenpsychosen" ist auf seine anstrengende Art poetisch, tiefgründig, oberflächlich und psychologisch. Alles in allem ein außergewöhnliches Buch. Ob ich es weiterempfehlen würde, kann ich nicht sagen. Ein paar bestimmten Leuten vielleicht, aber nicht im Allgemeinen.Die Autorin hat ihren eigenen Humor, der an einigen Stellen doch äußerst komisch ist und einen schmunzeln lässt. Im Ganzen könnte man sagen, es ist ein Lesespaß voller Gefühle. Marie reißt einen mit ihrer Überschwänglichkeit einfach mit, Helene hält einen gleichzeitig auf dem Boden. Dies ist absolut keine 0-8-15-Lektüre. Kein gewöhnlicher Frauenroman, sondern voller Witz, bissiger Bemerkungen und kein kitschiges Happy End.
"Oje. Requiem?"
"Glaub, ja."
"Okay, ich komme."
Martin schlurfte in die Küche, machte die Musik aus, räumte den Fußboden auf und setzte sich neben Marie. "Kann ich etwas für dich tun, die vielleicht ins Bett helfen?" Sie antwortete nicht. "Hör mal, Schatz, die Kinder wollen jetzt hier frühstücken. Ich fahre gleich mit ihnen los, aber vorher müssen sie etwas essen. Die Gewürze sind prima sortiert. Du kannst jetzt schlafen. Komm."
Wenn sich zwei Frauen mittleren Alters begegnen, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten, geht man nicht davon aus, dass sie miteinander auskommen. So ist es auch, als Marie und Helene aufeinandertreffen.
Marie musst seit einiger Zeit ohne ihr Vermögen leben, denn ihr Mann Martin (mit dem sie lediglich eine Zweckehe führt) ist bankrott. Von nun an keine Cocktails für 20€ mehr, kein Chanel N°5 und keine teure Kleidung mehr. Auf Grund ihrer Depressionen und Todessehnsüchte kann Marie am Abend nicht ohne mindestens eine Flasche Wein einschlafen und Bücher liest sie stets von hinten nach vorne.
Helene hingegen ist Therapeutin, rasiert sich nie, trinkt nur Tee und ist rein optisch vollkommen anders als Marie. Sie schminkt sich nicht, trägt keine figurbetonten Kleider und keine Schuhe mit Absatz. Helen führt ein eher langweiliges Leben mit ihren beiden Söhnen. Eines Tages entschließt sich Maries Mann, dass seine Frau endlich in Therapie gehen soll. So begegnen sich die beiden Frauen schließlich. Helene bemüht sich zunächst vergebens darum, an Marie heranzukommen, doch diese ist stets nur patzig und lenkt vom Thema ab. Doch langsam, von Sitzung zu Sitzung öffnet sich Marie. Aber auch Helene beginnt, sich gegenüber Marie zu öffnen und die beiden merken, dass sie doch einiges gemeinsam haben. Zum Beispiel einen Ex-Mann, der unter dem Ödipuskomplex leidet und stets ein Kuscheltier im Bett hatte. Zwischen chaotischen Alltagserlebnissen der beiden und unerwarteten Ereignissen entwickeln sich die beiden in die jeweils andere Richtung. Eine Freundschaft der anderen Art entsteht.
Meine Meinung zu dem Buch:
Als ich das Buch zum ersten Mal las, fand ich es recht seltsam und gewöhnungsbedürftig. Ich möchte behaupten, dass es zu 40% aus innerem Monolog, zu 40% aus Dialog und zu 20% aus Geschehnissbericht besteht. Doch wenn man erst einmal in die Geschichte hineingekommen ist, findet man Interesse daran. Maries stets etwas pubertierendes, oft kindliches Verhalten gegenüber allen ist äußerst interessant. Es ist etwas, dass ich noch nie gelesen habe. Ihre Art scheint besonders zu sein. Manchmal besonders nervig. Ich finde auch den ständig Wechsel zwischen der ruhigen und vernünftigen Helene und der aufbrausenden Marie sehr unterhaltsam. Es ist einem möglich, im Wechsel in die Köpfe der beiden hineinschauen zu können. Ihre Gedanken sind entweder verwirrend, fast dämlich, oder ziemlich intelligent. Das Buch ist wirklich gewöhnungsbedürftig und nicht für jeden geeignet. Es bedarf eine gewisse Anstrengung während des lesens und manchmal muss man Sätze zweimal lesen, um sie zu verstehen. "Rosenpsychosen" ist auf seine anstrengende Art poetisch, tiefgründig, oberflächlich und psychologisch. Alles in allem ein außergewöhnliches Buch. Ob ich es weiterempfehlen würde, kann ich nicht sagen. Ein paar bestimmten Leuten vielleicht, aber nicht im Allgemeinen.Die Autorin hat ihren eigenen Humor, der an einigen Stellen doch äußerst komisch ist und einen schmunzeln lässt. Im Ganzen könnte man sagen, es ist ein Lesespaß voller Gefühle. Marie reißt einen mit ihrer Überschwänglichkeit einfach mit, Helene hält einen gleichzeitig auf dem Boden. Dies ist absolut keine 0-8-15-Lektüre. Kein gewöhnlicher Frauenroman, sondern voller Witz, bissiger Bemerkungen und kein kitschiges Happy End.
Montag, 14. November 2016
"Der wilde Garten" von Barbara Claypole White
Isaac, der
in einem ihrer Schattenbeete irgendwelche ekligen Krabbeltiere suchte,
richtete sich auf und zog an seiner Schlafanzughose. "Denkst du gerade
an Daddy?" "Nein." Ihr Blick folgte einer Dunstschwade, die gen Himmel
stieg. "An Enland?" "Erwischt." Verflixt, selbst einem Kind gelang es
mühelos, sie zu durchschauen. Zum Glück musste sie nie irgendwelche
Geheimnisse bewahren. "Ich habe an den wunderbaren Sommerregen dort
gedacht. Und daran, dass es dort keine Schlangen gibt." Isaac zog eine
Grimasse, als seien sie gerade in ihrem Truck bei geöffnetem Fenster an
einem toten Stinktier vorbeigefahren. "Willst du wieder zurück?" "Wie
kommst du denn auf die Idee?" Vermeide eine direkte Antwort, das ist schlau. "Weil
du denkst, dass in England alles besser ist." Isaac scharrte mit den
Füßen, und das Schuldbewusstsein schnürte ihr die Kehle zu. "Aber ich
will hier leben, in unserem Haus. Und zwar für immer."
"Die Liebe ist so unberechenbar wie ein wilder Garten"
Als Tilly auf tragische Weise ihren Mann verliert, lebt sie allein mit ihrem 8-jährigen Sohn Isaac weiterhin in North Carolina. Tilly ist leidenschaftliche Gärtnerin und betreibt einen Pflanzenhandel. Sie lebt äußerst zurückgezogen, vermeidet den Kontakt zu Kunden und überlässt dies ihrer Assistentin, die Tilly insgeheim für unfähig hält. Isaac ist der Einzige, für den sie stark sein kann. Sie ist Supermom. Doch wenn Tilly allein ist, bricht sie zusammen. Der Tod ihres Mannes und die daraus entstandenen Schuldgefühle erdrücken sie immernoch.
Eines Tages taucht ein fremder Mann in ihrem Leben auf. James, der insgeheim unter einer Zwangsstörung leidet, möchte mit Hilfe von Tilly einen Garten anlegen und sich so seinen Ängsten stellen. Doch seine Bitte wird abgelehnt, da Tilly nicht als Landschaftsgärtnerin tätig sein möchte. Außerdem benötigte ihre Mutter in England Tilly Pflege, weshalb sie schon bald in ihr geliebtes England zurückkehrt. Doch ihr Besuch in England bringt nicht die erhoffte Flucht von allen Problemen und ein wenig Erholung, sondern weitere Probleme. Tilly begegnet ihrer alten Jugendliebe, ihre Mutter will das Haus ihrer Kindheit verkaufen und dieser seltsame James taucht plötzlich im Garten ihrer Mutter auf. Die Probleme häufen sich und es gilt nun für Tilly, damit umzugehen und diese zu bewältigen.
Meine Meinung zu dem Buch:
Für mich war es zunächst sehr schwer, in das Buch hineinzufinden. Vom Schreibstil her war es wirklich gut, aber Stellenweise trocken und langweilig. Doch dann kamen wieder Momente, die wirklich bewegend waren und man sich wunderbar in Tillys oder James' Lage hineinversetzen konnte. Ich fand es sehr interessant, das Leben aus der Sicht eines Mannes zu sehen, der unter Zwangsstörungen leidet. Auch aus der Sicht von Tilly war es recht interessant zu verfolgen, wie sie das Leben mit Kind, Arbeit und all den anderen Problemen meistert. Meiner Ansicht nach waren die interessantesten Stellen die, in denen man mitbekam, wie es James erging. Wie er panisch wurde, wenn er nur an Dreck an seinen Händen dachte. Es war wirklich gut beschrieben und verständlich, wie es ihm erging.
Leider habe ich oft gedacht, dass die Autorin unnötige Stellen eingebaut hat, die die ganze Geschichte nur unnötig in die Länge ziehen. Auch gab es leider ein paar Stellen, an denen ich nur dachte "Echt jetzt?". Es kam einem sehr an den Haaren herbeigezogen vor, wie in einer schlechten Soap. Nach dem Motto: hier muss jetzt noch irgendwas passieren. Ja, es waren unerwartete Wendungen, was dem ganzen nochmal einen Schub verpasst hat. Doch konnte ich mich mit diesen Ideen nicht anfreunden. Was ich besonders schön fand, war, dass es fast nie kitschig wurde. Liebe, ja, aber kaum Kitsch. Ich habe das Buch relativ flüssig lesen können, war aber nicht ganz so begeistert davon. Der Schluss war für mich außerdem vorhersehbar und unbefriedigend. Ich hätte ein wenig mehr erwartet. Dennoch möchte ich behaupten, es ist es wert, das Buch einmal gelesen zu haben. Immerhin hat die Autorin es geschafft, die beiden unterschiedlichsten Menschen in eine Geschichte zu packen und sich näher kommen zu lassen. Psychologisch gesehen ist es auch sehr interessant, wie Tilly mit dem Tod ihres Mannes umgeht und wie James mit seiner Zwangsstörung zu kämpfen hat und die beiden irgendwie auf den gleichen Nenner kommen. Der Leidensweg der beiden ist verständlich, lässt den Leser mitfühlen und dann miterleben zu können, wie sich die beiden zusammenraufen und sich ihren Problemen stellen, ist wunderbar zu lesen und sehr interessant.
"Die Liebe ist so unberechenbar wie ein wilder Garten"
Als Tilly auf tragische Weise ihren Mann verliert, lebt sie allein mit ihrem 8-jährigen Sohn Isaac weiterhin in North Carolina. Tilly ist leidenschaftliche Gärtnerin und betreibt einen Pflanzenhandel. Sie lebt äußerst zurückgezogen, vermeidet den Kontakt zu Kunden und überlässt dies ihrer Assistentin, die Tilly insgeheim für unfähig hält. Isaac ist der Einzige, für den sie stark sein kann. Sie ist Supermom. Doch wenn Tilly allein ist, bricht sie zusammen. Der Tod ihres Mannes und die daraus entstandenen Schuldgefühle erdrücken sie immernoch.
Eines Tages taucht ein fremder Mann in ihrem Leben auf. James, der insgeheim unter einer Zwangsstörung leidet, möchte mit Hilfe von Tilly einen Garten anlegen und sich so seinen Ängsten stellen. Doch seine Bitte wird abgelehnt, da Tilly nicht als Landschaftsgärtnerin tätig sein möchte. Außerdem benötigte ihre Mutter in England Tilly Pflege, weshalb sie schon bald in ihr geliebtes England zurückkehrt. Doch ihr Besuch in England bringt nicht die erhoffte Flucht von allen Problemen und ein wenig Erholung, sondern weitere Probleme. Tilly begegnet ihrer alten Jugendliebe, ihre Mutter will das Haus ihrer Kindheit verkaufen und dieser seltsame James taucht plötzlich im Garten ihrer Mutter auf. Die Probleme häufen sich und es gilt nun für Tilly, damit umzugehen und diese zu bewältigen.
Meine Meinung zu dem Buch:
Für mich war es zunächst sehr schwer, in das Buch hineinzufinden. Vom Schreibstil her war es wirklich gut, aber Stellenweise trocken und langweilig. Doch dann kamen wieder Momente, die wirklich bewegend waren und man sich wunderbar in Tillys oder James' Lage hineinversetzen konnte. Ich fand es sehr interessant, das Leben aus der Sicht eines Mannes zu sehen, der unter Zwangsstörungen leidet. Auch aus der Sicht von Tilly war es recht interessant zu verfolgen, wie sie das Leben mit Kind, Arbeit und all den anderen Problemen meistert. Meiner Ansicht nach waren die interessantesten Stellen die, in denen man mitbekam, wie es James erging. Wie er panisch wurde, wenn er nur an Dreck an seinen Händen dachte. Es war wirklich gut beschrieben und verständlich, wie es ihm erging.
Leider habe ich oft gedacht, dass die Autorin unnötige Stellen eingebaut hat, die die ganze Geschichte nur unnötig in die Länge ziehen. Auch gab es leider ein paar Stellen, an denen ich nur dachte "Echt jetzt?". Es kam einem sehr an den Haaren herbeigezogen vor, wie in einer schlechten Soap. Nach dem Motto: hier muss jetzt noch irgendwas passieren. Ja, es waren unerwartete Wendungen, was dem ganzen nochmal einen Schub verpasst hat. Doch konnte ich mich mit diesen Ideen nicht anfreunden. Was ich besonders schön fand, war, dass es fast nie kitschig wurde. Liebe, ja, aber kaum Kitsch. Ich habe das Buch relativ flüssig lesen können, war aber nicht ganz so begeistert davon. Der Schluss war für mich außerdem vorhersehbar und unbefriedigend. Ich hätte ein wenig mehr erwartet. Dennoch möchte ich behaupten, es ist es wert, das Buch einmal gelesen zu haben. Immerhin hat die Autorin es geschafft, die beiden unterschiedlichsten Menschen in eine Geschichte zu packen und sich näher kommen zu lassen. Psychologisch gesehen ist es auch sehr interessant, wie Tilly mit dem Tod ihres Mannes umgeht und wie James mit seiner Zwangsstörung zu kämpfen hat und die beiden irgendwie auf den gleichen Nenner kommen. Der Leidensweg der beiden ist verständlich, lässt den Leser mitfühlen und dann miterleben zu können, wie sich die beiden zusammenraufen und sich ihren Problemen stellen, ist wunderbar zu lesen und sehr interessant.
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