Wenn man mich fragen würde, worum's in dem Stück eigentlich geht, würd ich persönlich sagen, es geht um blöde Missverständnisse. Die hören sich alle nicht richtig zu. Der eine versteht den anderen nicht und umgekehrt, oder sie wollen sich nicht verstehen. Alles geht durcheinander, und das soll dann lustig sein. Vielleicht war das ja auch bei Dixi und mir so, nur dass es nicht lustig war.
Und vielleicht ist es wirklich so, dass:
1. Im Grunde das ganze Leben aus Missverständnissen besteht. Und dass:
2. Man dem anderen nie RICHTIG zuhört. Und
3. der andere einem auch nie RICHTIG zuhört.
Wenn ich so'n Zeug denke, ist klar, dass ich echt schlechte Laune habe. Es geht auch um Liebe in dem Stück, würd ich sagen, das gefiel mir, aber mir gefiel nicht, dass ich so oft an Paul denken musste. Immer wenn ich seinen Text las, hörte ich seine Stimme, wie er es sagen würde. So paulernsthaft und gleichzeitig paulleicht, als ob alles echt wär und nicht bloß ein Theaterstück. Ich dachte an die Winterblumen, die er für mich gepflückt hatte. Und dann dachte ich wieder an Dixi.
Sarah ist 15 Jahre alt, lebt in Stuttgart und geht auf die Werkrealschule. Ihre Vorstellung von der Zukunft? Harzt IV oder Schwarzarbeiter. In ihrer Freizeit hängt sie mit ihren Freunden herum, betrinkt sich, macht Party und klaut. Schon seit sie ein kleines Kind war, lebt Sarah bei ihren Großeltern. Ihre Mutter hat sie und ihren älteren Bruder damals einfach verlassen und ist nach Berlin abgehauen.
Als Sarah eines Tages von ihrem Lehrer in der Schule beim Verkauf von Drogen erwischt wird, hat das Konsequenzen. Doch der Lehrer stellt sie vor die Wahl: entweder beteiligt sich Sarah an einem Theaterstück seines Sohnes, oder es wird eine Lehrerkonferenz einberufen und sie erhält einen Verweis. Da Sarah Angst hat, ihre Großmutter könnte deswegen einen Herzanfall bekommen, erklärt sie sich widerwillig für das Theaterprojekt bereit. Doch das war leider noch nicht alles. Weil Sarah in der Schule weiterhin Misserfolge hat und ständig Mist baut, veranlasst ihr Lehrer, dass Sarah Nachhilfe bekommen soll. Diese Aufgabe übernimmt Kathi, eine Studenten, die im Theater mitspielt. Sarah kann sie nicht ausstehen und findet Kathi einfach nur spießig. Doch das ändert sich mit der Zeit. Auch lernt Sarah beim Theaterstück Paul kennen. Den schüchternen, schlaksigen Paul. Eigentlich ist er überhaupt nicht Sarahs Typ, aber irgendwas ist da zwischen den beiden. Währendessen geht es in Sarahs Clique drunter und drüber. Sie streitet ständig und immer heftiger mit ihrer besten Freundin Dixi, bis diese eines Nachts ins Krankenhaus muss. Alles steht Kopf und Sarah weiß oft einfach nicht mehr, was sie machen soll. Und wo ist ihr Platz in dieser Welt?
Meine Meinung zu dem Buch:
Ich muss gestehen, dass ich zu Beginn wirklich Mühe hatte, in das Buch reinzukommen. Die Geschichte sprach mich irgendwie garnicht an. Sarahs Art, dieses aufmüpfig sein, frech, brutal, immer mit Ausdrücken, das hat mir garnicht gefallen. Es war einfach nervig. Aber so ist ihre Art eben. Ich habe mir dabei immer gedacht, sie macht das nicht mit Absicht. Sie hatte vielleicht eine schwere Kindheit und auch jetzt kein leichtes Leben. Wurde von der Mutter verlassen, lebt bei ihren Großeltern, die mit ihrem Geld immer geradeso über die Runden kommen. Als ich mir dass dann endlich bewusst gemacht hatte, habe ich das Buch etwas besser lesen können. Es war absolut interessant, mal ein Leben eines jungen Mädchens aus solch einer Situation kennenlernen zu dürfen. Ihre Gedankengänge, ihre Handlungen, alles sehr emotional, impulsiv und energisch. Irgendwann konnte ich sogar mit Sarah mitfühlen, wenn es mal richtig mies lief und sie nicht weiter wusste. Selbst ich habe dann eine gewisse Verzweiflung oder Wut gespür und mich gefragt, was ich an ihrer Stelle in dieser Situation getan hätte. Die Geschichte wurde zunehmend interessanter und besser. Da alles aus der Ich-Perspektive (also aus Sarahs Sicht) erzählt wurde, hat es das Mitfühlen wesentlich leichter gemacht. Die einzelnen Charaktere sind auch wunderbar beschrieben worden. Ich konnte mir gut vorstellen, wie zum Beispiel der schüchterne Paul aussah, wie er klang und wie er sich verhielt. Ebenso konnte ich mir sehr deutlich Sarahs Freundin Dixi vorstellen. Klein, schrill, vielleicht stark geschminkt, lässt sich von niemandem etwas gefallen. Charakterlich sind in dieser Geschichte die krassesten Gegenteile vorhanden, was ich ziemlich interessant fand. Auch gab es immer wieder krasse Wendungen. Höhen und Tiefen in der Geschichte sind ungeleichmäßig verteilt. Wenn ich das Buch richtig verstanden habe, steckt eine kleine Message dahinter. Sarah will sich eigentlich garnicht erst um ihre Zukunft bemühen und Hartz IV Empfänger werden. Aber im Laufe der Geschichte merkt sie immer wieder erneut, dass sie etwas besonderes kann und daraus etwas machen könnte. Etwas, dass ihr Spaß macht. Sie soll nicht gleich aufgeben, ohne überhaupt etwas versucht zu haben. Überhaupt stecken in der Geschichte diverse kleine und große philosophische Fragen. Der Sinn des Lebens, die Existenz der Menschen und anderes.
Als ich mich endlich in das Buch reingelesen hatte, fand ich es wirklich interessant, unterhaltsam und sogar spannend. Ich wollte einfach wissen, was Sarah alles passiert, wie sie damit umgeht, wie sie sich in dieser Zeit entwickelt. Es ist wirklich kein Buch für jeden, eher speziell. Aber ich habe es letzten Endes nicht bereut, es gelesen zu haben.
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Donnerstag, 2. November 2017
Mittwoch, 25. Oktober 2017
"Das Buch der verlorenen Dinge" von John Connolly
Bevor sie krank wurde, hatte Davids Mutter ihm oft gesagt, dass Geschichten lebendig waren. Nicht auf dieselbe Art wie Menschen oder Hund oder Katzen. Menschen waren lebendig, ob man sie zur Kenntnis nahm oder nicht, während Hunde gewöhnlich dafür sorgten, dass man sie zur Kenntnis nahm, wenn sie das Gefühl hatten, dass man sie zu wenig beachtet. Katzen wiederum waren bisweilen sehr geschickt darin, so zu tun, als würde man überhaupt nicht existieren, aber das war wieder eine ganz andere Sache.
Geschichten waren anders: Sie wurden lebendig durch das Erzählen. Ohne eine menschliche Stimme, die sie vorlas, oder ein Paar gebannt aufgerissene Augen, die sie beim Licht einer Taschenlampe unter der Bettdecke verfolgten, existierten sie im Grunde nicht in unserer Welt. Sie waren wie Samenkörner im Schnabel eines Vogels, die darauf warteten, auf die Erde zu fallen, oder wie Noten auf einem Blatt Papier, die sich danach sehnten, dass ein Instrument sie zum Klingen brachte. Sie schlummerten vor sich hin und hofften auf eine Gelegenheit, ihren Buchdeckeln zu entrinnen. Sobald jemand anfing, sie zu lesen, konnten sie sich verändern. Sie konnten sich in der Fantasie verwurzeln und den Leser verwandeln. Geschichten wollten gelesen werden, hatte seine Mutter ihm zugeflüstert. Sie brauchten es. Deshalb drängten sie sich aus ihrer Welt in unsere. Sie wollten, dass wir ihnen Leben gaben.
London zu Zeiten des zweiten Weltkrieges. Die Mutter des zwölfjährigen Davids ist sehr krank und stirbt. Nach einiger Zeit geht Davids Vater eine neue Beziehung mit Rose ein, die seine kranke Mutter damals pflegte. David gefällt es gar nicht, dass sein Vater anscheinend seine Mutter ersetzt hat und sich Rose zwischen ihn und seinen Vater stellt. Rose jedoch ist sehr bemüht, zu David eine gute Beziehung aufzubauen, doch er lässt dies nicht zu. Um den Bombenangriffen der Deutschen zu entkommen, ziehen David und sein Vater zu Rose aufs Land. Sein Zimmer ist bereits gefüllt mit alten Büchern seines Vorbesitzers. Manchmal scheint es, als flüsterten sie dem Jungen etwas zu. Also flüchtet er sich in die Welt der Bücher, um seiner verhassten Stiefmutter und seinem neuen Brüderchen aus dem Weg zu gehen. Eines Tages beginnt David, neben den Stimmen der Bücher auch noch eine Gestalt herumhuschen zu sehen, die außer ihm niemand wahrzunehmen scheint. Eines Nachts, nach einem großen Streit mit seinem Vater und Rose, flüchtet David durch einen Spalt im Garten in eine andere Welt. Dort angekommen, ist ihm der Rückweg jedoch verwehrt und David muss sich den seltsamen, aber grässlichen Gefahren dieser anderen Welt stellen. Es herrscht eine trübe, düstere und kalte Atmosphäre. Um wieder nach Hause zu gelangen, macht sich der kleine Junge auf den Weg zum König, der ihm angeblich helfen kann. Ein blutiger, brutaler und schrecklicher Weg liegt vor ihm.
Meine Meinung zu dem Buch:
Durch den Titel, das Cover und den Text auf der Rückseite des Buches rechnete ich mit einem etwas sachteren Buch über eine seichte Fantasiewelt. Darin habe ich mich getäuscht. Schon die ersten Seiten trieben mir Tränen in die Augen und im Laufe der Geschichte wurde es immer brutaler und grausamer. Damit habe ich absolut nicht gerechnet. Ich empfand das nicht als negativ, im Gegenteil. Es war sehr spannend und aufregend! Die Geschichte wurde niemals langweilig.
Es fällt einem sehr leicht, sich in den kleinen David hineinzuversetzen, der seine geliebte Mutter verloren hat und nun eine neue Frau und ein Geschwisterchen von ihr in seinem Leben akzeptieren soll. Man spürt seine Wut, Neid, Verzweiflung und Einsamkeit. Das klingt alles nach einem ganz und gar traurigem Buch, aber es ist einfach nur interessant und spannend, die Geschichte mitzuverfolgen. Ich fand es stellenweise sogar gruselig mit Gänsehautfaktor, genau im richtigem Maß. Als Leser kann man richtig gut mitverfolgen, wie sich Davids Gefühle immer weiter entwickeln und vertiefen, wie er immer mehr an den neuen Lebensumständen leidet. Als er dann in die andere Welt gerät, denkt man automatisch an Märchen wie Rotkäppchen, Schneewittchen usw. Sie wandeln sich jedoch in beängstigende Geschichten um, Märchen wie wir sie kannten, werden vom Autor gänzlich umgewandelt. So begegnet David zum Beispiel der tyrannischen, fetten, brutalen Schneewittchen, die die sieben Zwerge quält und misshandelt. "Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" existiert in dieser Welt nicht, was ich ziemlich interessant finde. Mir gefällt es, wie der Autor sämtliche Märchen in ein völlig neues Licht stellt und dem Ganzen ein neues Gesicht verleiht. Mir kam dabei auch der Gedanke auf, dass wenn die reale Welt schon so grausam und brutal ist mit ihren Kriegen, warum sollte es dann in Märchen anders sein? Ich denke, dass der Autor dadurch zeigen will, dass eine Flucht aus der Realität das Leid nicht mindern kann. Das muss David nun am eigenen Leib erfahren. Wie ich schon erwähnt habe, ist der Roman von Anfang bis Ende spannend geschrieben und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Das Ende war absolut unvorhersehbar, was mir bei Büchern sehr wichtig ist. Der gesamte Weg, den David zu gehen hat, ist aufregend, emotional und spannend geschrieben. Man stellt sich immer die Frage: welchen Wesen begegnet er als nächstes? Wer ist der krumme Mann? Schafft der kleine Junge es, bis zum König zu gelangen und kann dieser ihm tatsächlich nach Hause helfen? "Das Buch der verlorenen Dinge" werde ich auf jeden Fall mal wieder lesen und reihe es unter meinen Favoriten ein!
Es fällt einem sehr leicht, sich in den kleinen David hineinzuversetzen, der seine geliebte Mutter verloren hat und nun eine neue Frau und ein Geschwisterchen von ihr in seinem Leben akzeptieren soll. Man spürt seine Wut, Neid, Verzweiflung und Einsamkeit. Das klingt alles nach einem ganz und gar traurigem Buch, aber es ist einfach nur interessant und spannend, die Geschichte mitzuverfolgen. Ich fand es stellenweise sogar gruselig mit Gänsehautfaktor, genau im richtigem Maß. Als Leser kann man richtig gut mitverfolgen, wie sich Davids Gefühle immer weiter entwickeln und vertiefen, wie er immer mehr an den neuen Lebensumständen leidet. Als er dann in die andere Welt gerät, denkt man automatisch an Märchen wie Rotkäppchen, Schneewittchen usw. Sie wandeln sich jedoch in beängstigende Geschichten um, Märchen wie wir sie kannten, werden vom Autor gänzlich umgewandelt. So begegnet David zum Beispiel der tyrannischen, fetten, brutalen Schneewittchen, die die sieben Zwerge quält und misshandelt. "Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" existiert in dieser Welt nicht, was ich ziemlich interessant finde. Mir gefällt es, wie der Autor sämtliche Märchen in ein völlig neues Licht stellt und dem Ganzen ein neues Gesicht verleiht. Mir kam dabei auch der Gedanke auf, dass wenn die reale Welt schon so grausam und brutal ist mit ihren Kriegen, warum sollte es dann in Märchen anders sein? Ich denke, dass der Autor dadurch zeigen will, dass eine Flucht aus der Realität das Leid nicht mindern kann. Das muss David nun am eigenen Leib erfahren. Wie ich schon erwähnt habe, ist der Roman von Anfang bis Ende spannend geschrieben und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Das Ende war absolut unvorhersehbar, was mir bei Büchern sehr wichtig ist. Der gesamte Weg, den David zu gehen hat, ist aufregend, emotional und spannend geschrieben. Man stellt sich immer die Frage: welchen Wesen begegnet er als nächstes? Wer ist der krumme Mann? Schafft der kleine Junge es, bis zum König zu gelangen und kann dieser ihm tatsächlich nach Hause helfen? "Das Buch der verlorenen Dinge" werde ich auf jeden Fall mal wieder lesen und reihe es unter meinen Favoriten ein!
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