Mittwoch, 1. November 2017

"Jane Austens Geheimnis" von Charlie Lovett

Onkel Bertram und sie schlenderten dann durch Londons Straßen und erkundeten irgendein Stadtviertel oder besuchten Gebäude, die etwas mit Literatur zu tun hatten. Sie gingen in Museen und Büchereien mit seltenen Büchern und sahen sich Theaterstücke oder Musicals an, die eine literarische Vorlage hatten. Aber vor alle kauften sie ein, und Sophie gab mit Begeisterung ihr müsam gespartes Taschengeld für "staubige, alte Bücher" aus. Onkel Berram kannte jeden Buchladen in der Stadt, jeden Verkaufsstand mit Antiquitäten, bei dem man meist weiter hinten auf ein verstecktes Bücherregal stieß, jeden Straßenverkäufer auf den Antikmärkten in der Portobello Road oder in Camden Passage, der ein oder zwei Bücher auf seiner ausgebreiteten Decke anbot. Und nach ihrem Bücherbummel machten sie es sich in seiner Wohnung in Maida Vale vor dem Kaminfeuer bequem und lasen. Am Anfang las Onkel Bertram immer Sophie vor, doch schon bald wechselten sie sich nach jedem Kapitel von The Ingoldsby Legends, Der geheime Garten oder Robinson Crusoe ab. Sophie gefielen vor allem die Anfangssätze - sie bargen so viele Möglichkeiten in sich. Am liebsten mochte sie die einfach gehaltenen. "Alice fing an sich zu langweilen; sie saß schon lange bei ihrer Schwester am Ufer und hatte nichts zu thun" oder "Ob ich schließlich der Held meines eigenen Lebens werde, oder ob jemand anderes diese Stelle einnehmen, wird, das sollen diese Blätter zeigen" oder "In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit".

Sophie Collingwood ist eine passionierte Buchsammlerin und liebt vor allem die Bücher von Jane Austen. Diese Leidenschaft hat sie ihrem Onkel Bertram zu verdanken, der sie in die Welt der Bücher einführte, als Sophie noch ein Kind war. Doch als ihr Onkel plötzlich stirbt, bricht für Sophie eine Welt zusammen. Sie kann außerdem nicht glauben, dass es nur ein Unfall war, der zum Tode ihres Onkels geführt haben soll. Vielleicht hat sie einfach nur zu viele Krimis gelesen, doch Sophie kann das so nicht hinnehmen und stellt eigene Nachforschungen an. Währenddessen nimmt sie einen Job in einem Antiquariat an, für den sie wie geschaffen ist. Als eines Tages gleich zwei Interessenten nach der Zweitausgabe „Ein kleines Buch allegorischer Geschichten" fragen und dieses in Auftrag geben, wird alles noch merkwürdiger. Welcher Sammler möchte denn Zweitausgaben? Noch dazu von einem Buch, von dem niemand etwas zu wissen scheint? Es ist nirgendwo aufzufinden, aber Sophies Neugier ist geweckt. Wieso ist das Interesse daran so groß, dass einer der beiden Kunden ihr sogar droht? Steckt er möglicherweise auch hinter Onkel Bertrams Tod? Und was ist so besonders an diesem Buch? Nach und nach entdeckt Sophie die Geheimnisse hinter „Ein kleines Buch allegorischer Geschichten" und kommt dem Schlüssel zum Geheimnis um Jane Austens Meisterwerk “Stolz und Vorurteil” immer näher. Doch damit begiebt sie sich selbst immer mehr in Gefahr.


Meine Meinung zu dem Buch:
Als ich den Titel das erste Mal sah, wurde ich gleich neugierig. Dass Jane Austen in der heutigen Literatur immernoch eine Rolle spielt, hat mich sehr gefreut. Denn ich mag ihre Geschichten sehr. Vor allem Stolz und Vorurteil. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: zur heutigen Zeit und zur Zeit von Jane Austen. Die Zeitstränge sind klar und deutlich getrennt und es kommt so schonmal nicht zu Verwirrungen während des Lesens. Parallel zur Geschichte von Sophie Collingwood erlebt der Leser, wie die junge Jane Austen Freundschaft mit einem gewissen Mister Mansfield schließt, welcher der Autor von „Ein kleines Buch allegorischer Geschichten" ist. Mister Mansfield hilft Jane Austen dabei, Inspiration für ihre eigenen Romane zu finden. Man kann mitverfolgen, wie sich die Geschichten von Jane Austen langsam entwickelten und wie sie ihre Ideen erlangt hat. Währenddessen in unserer Zeit setzt sich Sophie damit außeinander, was es mit dem Buch von Mister Mansfield auf sich hat und entdeckt langsam, dass Jane Austen mit involviert war. Aber was hat das alles zu bedeuten? Was war das Geheimnis der damaligen Autorin? Sophie stößt auf ein unglaubliches, für sie schreckliche Geheimis, dass sie nicht glauben kann. Hat sich die Welt so in Jane Austen getäuscht? Bzw. hat Jane Austen die Welt so sehr getäuscht, all die Jahre in denen Menschen ihre Bücher lasen? Es ist eine wirklich aüßerst spannende Geschichte!
Es fällt leicht, sich die einzelnen Charaktere ganz genau vorzustellen. Und die Passagen, in denen Sophie mit ihrem Onkel zusammen zwischen Büchern saß, haben mir persönlich besoners gut gefallen. Ich bildete mir sogar ein, den Duft der alten Bücher riechen zu können. Einfach wundervoll.
Zur Figur von Sophie: ich konnte mich gut mit ihr identifizieren. Sie ist jung, kennt ihren Platz in der Wel noch nicht richtig, weiß nicht wohin und liebt Bücher über alles. Was mich jedoch an ihr störte, waren ihre "Romanzen". Ich konnte ihr Handeln nicht nachvollziehen und fand generell den Aspekt der Liebe in diesem Roman unnötig. Man hätte es meiner Meinung nach auch auslassen können. Einer ihrer "Verehrer" war für sich so an dern Haaren heribeigezogen, dass es einfach nur seltsam war. Er erscheint am Anfang der Geschichte kurz, ist dann das ganze Buch über nicht anwesend und taucht am Ende wieder auf. Das schien mir doch sehr ungeschickt gemacht. Doch trotz alldem würde ich das Buch wieder lesen!
Der Teil der Geschichte, der in unserer jetzigen Zeit spielt, kommt einem Krimi recht nahe, doch nicht zu sehr. Ich bin kein Krimi-Fan, fand hier aber einen angehmen Grad davon vor. Es war spannend, aufregend, man hat sich im Hinterkopf immer eigene Gedanken gemacht zu den Ereignissen und Fakten. Wem kann Sophie trauen? Sind ihre Entdeckungen wahr? Wer ist gut und wer ist böse? Spannend und wundervoll geschrieben von Anfang an, absolut zu empfehlen!

Mittwoch, 25. Oktober 2017

"Das Buch der verlorenen Dinge" von John Connolly

Bevor sie krank wurde, hatte Davids Mutter ihm oft gesagt, dass Geschichten lebendig waren. Nicht auf dieselbe Art wie Menschen oder Hund oder Katzen. Menschen waren lebendig, ob man sie zur Kenntnis nahm oder nicht, während Hunde gewöhnlich dafür sorgten, dass man sie zur Kenntnis nahm, wenn sie das Gefühl hatten, dass man sie zu wenig beachtet. Katzen wiederum waren bisweilen sehr geschickt darin, so zu tun, als würde man überhaupt nicht existieren, aber das war wieder eine ganz andere Sache.
Geschichten waren anders: Sie wurden lebendig durch das Erzählen. Ohne eine menschliche Stimme, die sie vorlas, oder ein Paar gebannt aufgerissene Augen, die sie beim Licht einer Taschenlampe unter der Bettdecke verfolgten, existierten sie im Grunde nicht in unserer Welt. Sie waren wie Samenkörner im Schnabel eines Vogels, die darauf warteten, auf die Erde zu fallen, oder wie Noten auf einem Blatt Papier, die sich danach sehnten, dass ein Instrument sie zum Klingen brachte. Sie schlummerten vor sich hin und hofften auf eine Gelegenheit, ihren Buchdeckeln zu entrinnen. Sobald jemand anfing, sie zu lesen, konnten sie sich verändern. Sie konnten sich in der Fantasie verwurzeln und den Leser verwandeln. Geschichten wollten gelesen werden, hatte seine Mutter ihm zugeflüstert. Sie brauchten es. Deshalb drängten sie sich aus ihrer Welt in unsere. Sie wollten, dass wir ihnen Leben gaben.



London zu Zeiten des zweiten Weltkrieges. Die Mutter des zwölfjährigen Davids ist sehr krank und stirbt. Nach einiger Zeit geht Davids Vater eine neue Beziehung mit Rose ein, die seine kranke Mutter damals pflegte. David gefällt es gar nicht, dass sein Vater anscheinend seine Mutter ersetzt hat und sich Rose zwischen ihn und seinen Vater stellt. Rose jedoch ist sehr bemüht, zu David eine gute Beziehung aufzubauen, doch er lässt dies nicht zu. Um den Bombenangriffen der Deutschen zu entkommen, ziehen David und sein Vater zu Rose aufs Land. Sein Zimmer ist bereits gefüllt mit alten Büchern seines Vorbesitzers. Manchmal scheint es, als flüsterten sie dem Jungen etwas zu. Also flüchtet er sich in die Welt der Bücher, um seiner verhassten Stiefmutter und seinem neuen Brüderchen aus dem Weg zu gehen. Eines Tages beginnt David, neben den Stimmen der Bücher auch noch eine Gestalt herumhuschen zu sehen, die außer ihm niemand wahrzunehmen scheint. Eines Nachts, nach einem großen Streit mit seinem Vater und Rose, flüchtet David durch einen Spalt im Garten in eine andere Welt. Dort angekommen, ist ihm der Rückweg jedoch verwehrt und David muss sich den seltsamen, aber grässlichen Gefahren dieser anderen Welt stellen. Es herrscht eine trübe, düstere und kalte Atmosphäre. Um wieder nach Hause zu gelangen, macht sich der kleine Junge auf den Weg zum König, der ihm angeblich helfen kann. Ein blutiger, brutaler und schrecklicher Weg liegt vor ihm. 

Meine Meinung zu dem Buch:
Durch den Titel, das Cover und den Text auf der Rückseite des Buches rechnete ich mit einem etwas sachteren Buch über eine seichte Fantasiewelt. Darin habe ich mich getäuscht. Schon die ersten Seiten trieben mir Tränen in die Augen und im Laufe der Geschichte wurde es immer brutaler und grausamer. Damit habe ich absolut nicht gerechnet. Ich empfand das nicht als negativ, im Gegenteil. Es war sehr spannend und aufregend! Die Geschichte wurde niemals langweilig.
Es fällt einem sehr leicht, sich in den kleinen David hineinzuversetzen, der seine geliebte Mutter verloren hat und nun eine neue Frau und ein Geschwisterchen von ihr in seinem Leben akzeptieren soll. Man spürt seine Wut, Neid, Verzweiflung und Einsamkeit. Das klingt alles nach einem ganz und gar traurigem Buch, aber es ist einfach nur interessant und spannend, die Geschichte mitzuverfolgen. Ich fand es stellenweise sogar gruselig mit Gänsehautfaktor, genau im richtigem Maß.  Als Leser kann man richtig gut mitverfolgen, wie sich Davids Gefühle immer weiter entwickeln und vertiefen, wie er immer mehr an den neuen Lebensumständen leidet. Als er dann in die andere Welt gerät, denkt man automatisch an Märchen wie Rotkäppchen, Schneewittchen usw. Sie wandeln sich jedoch in beängstigende Geschichten um, Märchen wie wir sie kannten, werden vom Autor gänzlich umgewandelt. So begegnet David zum Beispiel der tyrannischen, fetten, brutalen Schneewittchen, die die sieben Zwerge quält und misshandelt. "Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" existiert in dieser Welt nicht, was ich ziemlich interessant finde. Mir gefällt es, wie der Autor sämtliche Märchen in ein völlig neues Licht stellt und dem Ganzen ein neues Gesicht verleiht. Mir kam dabei auch der Gedanke auf, dass wenn die reale Welt schon so grausam und brutal ist mit ihren Kriegen, warum sollte es dann in Märchen anders sein? Ich denke, dass der Autor dadurch zeigen will, dass eine Flucht aus der Realität das Leid nicht mindern kann. Das muss David nun am eigenen Leib erfahren. Wie ich schon erwähnt habe, ist der Roman von Anfang bis Ende spannend geschrieben und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Das Ende war absolut unvorhersehbar, was mir bei Büchern sehr wichtig ist. Der gesamte Weg, den David zu gehen hat, ist aufregend, emotional und spannend geschrieben. Man stellt sich immer die Frage: welchen Wesen begegnet er als nächstes? Wer ist der krumme Mann? Schafft der kleine Junge es, bis zum König zu gelangen und kann dieser ihm tatsächlich nach Hause helfen? "Das Buch der verlorenen Dinge" werde ich auf jeden Fall mal wieder lesen und reihe es unter meinen Favoriten ein!

Dienstag, 24. Oktober 2017

"Wolkenschloss" von Kerstin Gier

Ein leises Klopfen an der Fensterscheibe riss mich aus meinen Gedanken. Zwei schwarze Knopfaugen schauten mich von draußen an, und ich beeilte mich, das Fenster zu öffnen. Das war ein weiterer Grund, meine Kammer zu lieben: Die Fensterbank wurde mit Vorliebe von den Bergdohlen angeflogen, vermutlich weil, wer immer hier vor mir mal gewohnt hatte, sie verbotenerweise gefüttert hatte. Eine Angewohnheit, die ich sofort mit Begeisterung aufgenommen hatte, Verbot hin, Verbot her. Es handelte sich ja nicht um Tauben auf dem Markusplatz, die Venedig angeblich noch zum Einsturz bringen würden, weil ihre Kacke selbst Marmor wegätzte- , es waren nur sieben Vögel, und sie richteten keinerlei Schaden an. Um ehrlich zu sein, hatte ich sie überhaupt noch nie kacken sehen, es waren außerordentlich manierliche Vögel, die wahrscheinlich extra in den Wald flogen, um ihr Geschäft zu erledigen. Ich hatte sie alle Hugo getauft, weil sie anfangs für mich mit ihren gelben Schnäbeln, dem glänzenden, tiefschwarzen Gefieder und den klugen, schwarzen Augen absolut gleich ausgesehen hatten. Mittlerweile hatte ich aber gelernt, sie zu unterscheiden, und so gab es nun den melancholischen Hugo, den wirklich unglaublich verfressenen Hugo (verfressen waren sie alle, doch der wirklich unglaublich verfressene Hugo war einfach... wirklich unglaublich verfressen), den einbeinigen Hugo, den kleptomanischen Hugo (er hatte mir schon zwei Haarklämmerchen, den Deckel einer Sprudelflasche und beinah das Ladekabel für mein Handy geklaut, aber er war trotzdem mein heimlicher Liebling), den pummeligen Hugo, den hopsenden Hugo und den misstrauischen Hugo. "Hallo hoppsender Hugo, kommst du die fabelhafte Fanny besuchen?"


Die siebzehnjährige Fanny macht anstelle des Abiturs ein Praktikum in einem alten Grand Hotel in den Schweizer Bergen. Sie ist dort das Mädchen für alles und gibt sich stets Mühe, gerät aber immer wieder in Schwierigkeiten, die sie trotzdem bewältigt bekommt. Hierbei erhält sie zum Glück oftmals Hilfe einiger Freunde aus dem Personal. Der Concierge, Monsieur Rocher, versorgt Fanny stets mit allen Informationen, die er über die Gäste hat und Pavel, der in der Wäscherei arbeitet, hat immer ein offenes Ohr für Fanny. An unangenehmen Zeitgenossen fehlt es im Wolkenschloss natürlich auch nicht. Der rücksichtslose Hotelbesitzer Roman Montfort, der stets am Personal zu meckern hat, das Fräulein Müller, die anscheinend in der Zeit von Heidi und Fräulein Rottenmaier steckengeblieben ist und die drei zickigen Aushilfen Hortensia, Camilla und Ava tyrannisieren Fanny wann immer sie können. Ganz anders als Roman Montfort ist sein Sohn Ben, der über die Weihnachtsferien im Hotel seines Vaters arbeitet. Ein sehr liebenswürdiger und hilfsbereiter Mensch. Auch lernt Fanny den attraktiven Tristan, einen Hotelgast, kennen, der sich als Hoteldieb vorstellt und nachts an der Fassade des Hotels herumklettert. Als es auf die Weihnachtsfeiertage und Silvester zugeht, überschlagen sich die Ereignisse. Fanny findet heraus, dass eine russische Oligarchenfamilie inkognito im Hotel gastiert, welche angeblich den legendären Nadjeschda-Diamanten besitzen sollen. Dann verschwindet Schmuck eines Gastes, Kinder werden plötzlich vermisst, ein mysteriöser Mann checkt ein, der unter seinem Mantel eine Pistole versteckt hat und Fanny begiebt sich ahnungslos in Lebensgefahr. Eines steht fest: dieser Job wird niemals langweilig.


Meine Meinung zu dem Buch:
Was ich bisher nie angesprochen habe in meinen Rezensionen: Das Cover. Hier muss ich einfach sagen, wie wunderschön ich das Cover finde! Es gibt einiges darauf zu entdecken, ist in wunderschönem Pastell-lila gehalten und man erhält gleich einen ungefähren Eindruck, wie man sich das Hotel vorzustellen hat. Nun zur Geschichte: der Roman wird aus der Ich-Perspektive von Fanny Funke erzählt. Mit viel Humor erlebt man als Leser den Alltag im Hotel aus ihrer Sichtweise und ihren Gedanken. Es gibt viele Augenblicke, in denen man einfach schmunzeln muss, wenn Fanny zum Beispiel über einen Hotelgast denkt, wie eingeblidet dieser doch sei oder ähnliches. Man leidet wunderbar mit ihr mit, wenn sie von einem Gastkind ständig in Schwierigkeiten gebracht wird, wenn sie jemand tadelt oder die drei Zicken es ihr mal wieder schwer machen, indem sie Fanny zum Beispiel aus dem gemeinsamen Waschraum jagen. Aber es ist nicht alles schrecklich. Es gibt immer wieder Momente, in denen man sich für sie freut oder mitfiebert, wenn sie an einer Problemlösung dran ist. Durch den Schreibstil werden auch die einzelnen Personen, die Gäste und das Personal, wunderbar beschrieben. Es fällt also sehr leicht, sich diese Menschen deutlich vorstellen zu können. Sowohl was das äußere Erscheinen als auch den Charakter betrifft. Natürlich hat sich in diesem Jungend-Roman auch eine Liebesgeschichte eingeschlichen. Doch das wird sehr subtil eingeführt und ist recht spannend und abwechslungsreich eingebracht worden. Denn es scheint, als würden sowohl der Sohn des Hotelbesitzers, Ben, als auch der Gast Tristan sich sehr für Fanny interessieren. Sie selbst ist sich nicht sicher, was oder wen sie will. Mit den beiden Jungen erlebt sie sowohl schöne Momente als auch Konflikte. Es ist meiner Meinung nach der richtige Grad an Liebe in der Geschichte. Insgesamt ist "Wolkenschloss" ein Jugendroman mit einer Mischung aus Liebe, Krimi und Humor! Zu dem Krimi-Aspekt: innerhalb der Geschichte fallen immer an den richtigen Stelle n gewisse Spannungsmomente, die die Handlungen wieder ankurbeln und es noch interessanter machen. Man ist  ständig am mitfiebern, versucht selbst, dahinter zu kommen. Der absolute Höhepunkt der Geschichte kommt erst am Ende, was aber absolut nicht schlecht ist. Es wird auf keinen Fall jemals langweilig und am Ende erwartet einen das große Finale der Geschichte. Der größte Kriminafall im Hotel, der Fanny sogar in Lebensgefahr bringt. Absolut spannend mit unerwarteter Wendung und Enthüllung! Ich bin kein Krimi-Fan. Aber in dem Buch "Wolkenschloss" fand ich diesen Teil absolut super und das gesamte Buch lesenswert! Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.

Dienstag, 15. August 2017

"Nation der Untoten" von David Wellington

"Komm schon, komm schon", murmelte die Frau, als sich das EKG erwärmte. "Nun mach schon." Endlich erwachte der Bildschirm zum Leben, gleichzeitig schrillte ein Alarmton. Auf dem Schirm bewegte sich eine flache Linie von rechts nach links, ohne jede Abweichung. "Verdammt", fluchte die Schwester und versetzte dem Gerät einen harten Schlag. Nichts veränderte sich. Sie schaltete den Alarm ab. "Schon wieder eine Fehlfunktion!"
"Was...Was hat das zu bedeuten?", fragte Nilla. Plötzlich verspürte sie Angst. "Ich habe keinen Herzschlag? Was bedeutet das?" Die Krankenschwester fluchte und riss die Elektroden von Nillas Körper. "Das bedeutet dass mein Gerät im Arsch ist, und jetzt muss ich ein neues vom anderen Ende des Krankenhauses holen und kann noch eine halbe Stunde auf meine Raucherpause warten! Genau das bedeutet es! Herrgottnochmal, jetzt beruhigen Sie sich endlich." Sie griff nach Nillas festgebundenem Handgelenk und tastete nach dem Puls. Nach ein paar Sekunden verzog sie verwirrt den Mund und drückte ihre Handfläche unter Nillas Nase, um ihren Atem zu fühlen.
Die Wut wich aus ihrem Gesicht und nahm alle Farbe gleich mit. Ihr Blick wurde sanfter, ihre Lippen zitterten etwas. "O Gott. Doktor!", schrie sie. "Code Blau, Code Blau!" Sie wollte sich umdrehen und aus der Nische rennen, als eine der Trennwände zur Seite gerissen wurde.



Captain Bannerman Clark erhält den Auftrag, einen angeblichen Aufstand in einem Hochsicherheitstrakt nachzugehen, da die dort Zuständigen mit  der Situation überfordert sind. Doch was ihn dort erwartet, übertrifft all seine Erwartungen. Nicht die Gefängnisinsassen sind es, von denen Gefahr ausgeht. Allem Anschein nach sind es einige Wärter, die begonnen haben, sich gegenseitig zu zerfleischen und zu fressen. Clark vermutet einen Virus und lässt das Militär und dementsprechende Forschungzentren herbeirufen. Zeitgleich hört man aus Colorado ebenfalls Fälle von Menschen, die Zivillisten auf die gleiche Art angreifen. Wie eine Epidemie breitet es sich rasend schnell aus und überträgt sich sogar auf Tiere. Jedoch ein befallener Mensch unterscheidet sich von den anderen Infizierten. Nilla weiß nicht mehr, wer sie ist, was sie ist und was überhaupt los ist. Nur eines weiß sie sehr schnell, sie ist nicht mehr am Leben. Doch im Gegensatz zu den anderen ihrer Art kann sie noch denken und wirkt fast menschlich. Von einer seltsamen Macht angezogen, reist Nilla durch Amerika. Als Bannerman von ihr erfährt, sieht er in ihr die einzige Chance, die Epidemie zu bekämpfen. Der Kampf gegen die Untoten, deren Zahl immer schneller ansteigt, und gegen eine unbekannte Macht hat begonnen. 

Meine Meinung zu dem Buch:
"Nation der Untoten" ist ein Zombie-Apokalypsebuch der anderen Art. Auf spannende Art und Weise erzählt der Autor David Wellington in drei parallel laufenden Handlungssträngen, wie eine Zombie-Epidemie Amerika überrollt. Als Leser erhält man Einblick in das Leben dreier Menschen, die das alles hautnah miterleben (wobei einer eher nebensächlich ist). Zu Beginn verlaufen die Geschichten noch parallel, jedoch begegnen sich die drei Figuren der drei Handlungsstränge im Laufe der Geschichte. Anfangs springen die Handlungen noch hin und her, von einem Charakter zum anderen. Jedoch wird so die Spannung erst richtig aufgebaut.  Um die Geschichte des Romans realitätsnah zu halten, werden zwischendrin immer wieder Pressemitteilungen, Tatsachenberichte und Blogeinträge eingebaut, die über die derzeitige Situation berichten. Dadurch wird der Leser indirekt dazu angeregt, sich selbst Gedanken zu machen, ob so etwas nicht tatsächlich in der wirklichen Welt möglich wäre. Die Sprünge zwischen den Charakteren und Orten bleiben zunächst weiter bestehen, sind aber niemals verwirrend und machen die Handlungen wesentlich interessanter. Jedoch finde ich, dass die politischen Aspekte, die im Laufe der Geschichte miteinfließen, das Ganze etwas zäh machen und meiner Meinung nach hätten ausgelassen werden können. Als Ausgleich werden die Gewaltszenen,wie Menschen zerfleischt werden, immer häufiger und deutlicher, was die Spannung anhalten lässt. Des Weiteren werden die beiden Hauptpersonen des Romans, Nilla und  Bannerman, sehr gut beschrieben. Mir fiel es sehr leicht, mir die beiden bildlich vorzustellen, sowohl was das Äußerliche als auch den Charakter angeht. Man konnte einen wunderbaren Einblick in die Situationen und Gedanken der beiden erhalten, was mir sehr gefallen hat. Der Autor war stets bemüht, den Grad zwischen Fiktion und Realität zu bewahren. Aber ich finde, dass er gegen Ende immer fiktiver wurde. Das ist an sich nichts schlechtes, doch empfand ich das Ende zum Beispiel als zu abstrakt und an den Haaren herbeigezogen. Es war für mich nicht befriedigend, die Geschichte war meiner Ansicht nach zu abrupt zu Ende. Dennoch muss ich als positiv bewerten, dass es absolut nicht vorhersehbar war. Das ist für mich immer ein sehr wichtiger Kritikpunkt, wenn es um Bücher geht.